Als ich 10 Monate alt war, suchte mein Frauchen eine Hundetrainerin, die ihr bei meiner Erziehung helfen sollte. Ich bekam in der ersten Stunde gleich ein Halti verpasst und an das Halsband eine 20m lange Leine. Mein erstes Sitz auf Kommando musste ich auf glühend heißem Asphalt machen. Die Trainerin wollte es so, aber mir tat es verdammt weh. Am liebsten hätte ich es ihr gezeigt „wo“ und „wie“ es wehtat, aber ein Gentleman tut so was nicht. Diese ewigen Kommandos „Sitz, Platz, Hiiier, Fuuußß“, die dauernd üben musste, nervten mich. Ich wusste erst überhaupt nicht, was die von mir wollten, denn keiner hat es mir genau erklärt. Nur, wenn ich nicht machte, was sie wollten, kam ein sehr schmerzhafter Leinenruck an meinen Hals. Also tat ich ihnen den Gefallen und war „gehorsam“ ,hörte mir ein „Fein“ an und fraß mein Leckerchen. Letzteres war für mich das einzig Sinnvolle an diesem Training. Ich hatte bald keine Lust mehr auf diese ganzen Übungen, noch weniger auf das Gezerre an meinem Hals. Ich stellte meine Ohren noch mehr auf Durchzug und konzentrierte mich draußen auf die Wildspuren. Hatte ich eine und startete durch, endete das Vergnügen leider meist nach 20 Metern mit einem brutalen Leinenruck, so dass ich sogar öfters durch die Luft geflogen bin. Aber ich probierte es immer wieder und setzte meine ganze Energie ein (ein waschechter Beagle gibt nicht auf), aber es endete immer frustrierend und schmerzhaft. Dabei habe ich die Spuren doch nur benutzt, um meinem Frauchen zu zeigen, was für ein „guter Beagle“ ich bin und..... um der ganzen Quälerei zu entrinnen. Ich sollte lernen, an anderen Hunden vorbei zu gehen. Viel lieber wollte ich mit ihnen spielen. Da ich aber nicht hin durfte, kläffte ich natürlich. Mit meiner Stimme war das „schön“ laut und sehr deutlich. Die Trainerin zerrte gnadenlos an dem Halti und und brüllte „aus“. Mir hat sich eingeprägt: ein anderer Hund auf der Bildfläche bedeutet Druck, Stress und Schmerz für mich, kann also nichts Gutes sein. Meine Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Hunden verwandelte sich bald in Unsicherheit und Aggression. Als ich das erste Mal von einem anderen Hund gebissen worden bin, war alles vorbei. Ich hatte Angst und dachte mir, bevor mich ein anderer beißt, drohe und kläffe ich lieber zuerst, egal ob Ruck am Halti oder am Halsband. Ich hatte vor dem Halti Angst, musste es aber anziehen. Ein Jahr lang wurde ich so traktiert. Ich hatte dauernd Hals – und Mandelentzündungen von den Leinenrucken und meinem Gekläffe. Aber was noch viel schlimmer war, ich hatte zu meinem Frauchen immer weniger Vertrauen. Ich ging sehr auf Distanz, ließ mich ungern anfassen, verweigerte den Gehorsam nun ganz. Endlich begriff mein Frauchen, dass dies nicht der richtige Weg war, mich oder überhaupt einen Hund zu erziehen. Sie ging auf die Suche nach professionellen Hundetrainern, die wirklich etwas von Hunden verstehen und hat sie Gott sei Dank auch gefunden. Die von ihnen vermittelten neuen Erkenntnisse und Erfahrungen und die daraus bewirkten Veränderungen bei mir haben mein Frauchen so beeindruckt, dass sie sich entschlossen hat selber die langwierige und schwierige Ausbildung als Hundetrainerin zu absolvieren, damit auch noch andere Artgenossen von mir in den Genuss einer hundegerechten Erziehung kommen. Während der letzten Jahre habe ich mein Frauchen auf fast allen Wegen begleitet. Es gab keine Schmerzen mehr beim Training, ich lernte ohne Zwang, ich durfte spielen, ich durfte Fährten laufen, kurz gesagt, ein hundgerechtes Leben führen. Auch die Grundkommandos machen mir jetzt Spaß. Aber das wichtigste und schönste für mich war, dass ich wieder starkes Vertrauen zu meinem Frauchen entwickelt habe. Denn mein Frauchen hat jetzt gelernt wie wir Hunde uns ausdrücken und kann genau erkennen, wann ich Angst habe, unsicher oder auch mal aggressiv bin und reagiert entsprechend. Aber sie beherrscht mich nicht und setzt mich nicht mehr unter Druck, sondern führt mich mit liebevoller Konsequenz durch mein Hundeleben.
1999
zog Percy, meine geliebte Retrieverhündin, bei uns ein. Percy hatte es die
ersten Jahre sehr schwer, weil sie von klein auf – wohl g
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